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Wir beantworten Ihre Fragen zum Bezugsrahmenwechsel

Allgemein

Worum geht es?

Das Koordinatensystem der Schweiz wurde im Jahr 1903 festgelegt und wird deshalb CH1903 genannt. In den 1990er Jahren  wurde die Schweiz mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS) neu vermessen. Die Koordinaten der Vermessungsfixpunkte dieser neuen Landesvermessung ermöglichen schweizweit zentimetergenaue Vermessungen. Die neu bestimmten Koordinaten können sich im Meterbereich von den alten Werten unterscheiden. Damit keine Verwechslungen entstehen, werden in der neuen Landesvermessung neue Koordinatenbezeichnungen eingeführt. Das neue Koordinatensystem wird CH1903+ genannt. Diese Ablösung erfolgt kantonsweise und soll im Jahr 2016 abgeschlossen sein.

 

Warum genügt der bisherige Bezugsrahmen LV03 den heutigen Anforderungen nicht mehr?

Der anfangs des letzten Jahrhunderts entstandene Bezugsrahmen LV03 entspricht nicht mehr den technischen Möglichkeiten und Genauigkeiten der Messverfahren von heute. Über die ganze Schweiz betrachtet enthält er Widersprüche im Meterbereich. Dank modernen, satellitengestützten Methoden können wir Koordinaten heute zentimetergenau bestimmen. Mittels GNSS-Messungen erhalten wir präzise, global gültige Koordinaten. Bisher musste man sie aber in den «ungenaueren» Bezugsrahmen LV03 einpassen, also künstlich verschlechtern, um sie mit den bestehenden Vermessungsgrundlagen kombinieren zu können. Diese Arbeiten verursachen Mehraufwand und können eine Fehlerquelle sein.

 

Was ist ein Bezugsrahmen?

Über die ganze Schweiz verteilt gibt es Tausende von Vermessungsfixpunkten, deren Lage und Höhe bekannt und in Form von Koordinaten festgelegt sind. Sie realisieren das Koordinatensystem im Gelände und bilden den so genannten Bezugsrahmen für alle Vermessungen in der Schweiz. Alle raumbezogenen Daten, zum Beispiel Daten der amtlichen Vermessung, der Raumplanung oder des Bauwesens sowie Daten von geografischen Informationssystemen werden in diesen Rahmen eingepasst. Der Bezugsrahmen der neuen Landesvermessung LV95 wird durch 31 permanent betriebene Satellitenempfangsstationen sowie 200 Fixpunkte festgelegt, deren Koordinaten mit GPS-Messungen zentimetergenau bestimmt wurden. Gemeinsam mit den Kantonen hat das Bundesamt für Landestopografie swisstopo Berechnungsmethoden festgelegt, damit alle Koordinaten vom Bezugsrahmen LV03 in den neuen Bezugsrahmen LV95 umgerechnet werden können.

 

Was sind Koordinaten?

Mittels Koordinaten kann die Lage von Punkten und Objekten im Gelände, auf Karten oder auf Plänen beschrieben werden. Dank eindeutigen Koordinaten können wir anderen Personen mitteilen, wo wir uns befinden oder wo sie ein bestimmtes Ziel finden. Sie kommen, im Hintergrund, auch in den Navigationsgeräten im Auto zur Anwendung. Die Koordinatenwerte bezeichnen den Abstand eines Punktes (im Gelände in Metern gemessen) von den beiden Koordinatenachsen. Diese zeigen, ausgehend von einem Nullpunkt, von Süden nach Norden bzw. von Westen nach Osten.

 

Was versteht man unter «Kartenprojektion»?

Mit Hilfe der Kartenprojektion kann die gekrümmte, dreidimensionale Oberfläche der Erde auf einer flachen, zweidimensionalen Karte abgebildet werden. Diese Abbildung erfolgt nach geometrischen Regeln und mathematischen Formeln. Ausgangspunkt für die Kartenprojektion ist der Koordinatenursprung oder «Nullpunkt», in dem sich die Haupt-Koordinatenachsen treffen. In den Landeskarten ist ein Netz von rechtwinklig zueinander stehenden Linien (das Koordinatennetz) eingetragen. Diese Linien erleichtern das Bestimmen von Koordinaten in den Karten.

 

Kartenprojektion der Schweiz (schiefachsige Zylinderprojektion)

Kartenprojektion der Schweiz (schiefachsige Zylinderprojektion). Copyright swisstopo

Wofür stehen die Abkürzungen LV03 und LV95?

LV steht für «Landesvermessung»; 03 bzw. 95 für das Jahr, in dem die Landesvermessung begonnen bzw. abgeschlossen wurde. Der heutige Bezugsrahmen LV03 (aus dem Jahr 1903) basiert auf Messungen, die vor mehr als 100 Jahren durchgeführt wurden. Die neue Landesvermessung wurde in den 1990er Jahren realisiert und 1995 abgeschlossen. Sie bildet die Grundlage für den neuen Bezugsrahmen LV95 (Landesvermessung 1995).

 

Warum wird ein neuer Bezugsrahmen eingeführt?

Mit der neuen Landesvermessung LV95 verfügt die Schweiz über einen homogenen und hochgenauen geodätischen Bezugsrahmen. Er erlaubt eine bessere Präzision die für jeden nutzbar wird, ohne über örtliche Spezialkenntnisse zu verfügen und führt somit zu einer Demokratisierung der Vermessung. Dank dem eindeutigen Bezug und Anschluss zu globalen Referenzsystemen können die Vorteile der modernen, satellitengestützten Navigations- und Vermessungstechnologien (GNSS) landesweit effizient genutzt werden. Darüber hinaus stellen die moderne Informatik und die Kombination von Daten aus verschiedensten Quellen erhöhte Anforderungen an die geodätischen Grundlagen. Im Sinne einer volkswirtschaftlichen Optimierung ist deren Erneuerung dringend notwendig und gerechtfertigt.

 

Warum ist die Einführung des neuen Bezugsrahmens wichtig?

Für jedes Land mit einer modernen Infrastruktur ist es wichtig, Koordinaten exakt vermessen und in einen zeitgemässen Bezugsrahmen einpassen zu können. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn beispielsweise die Lage von Tunnels oder Brücken auf der Basis ungenauer Daten berechnet wird. Wichtig ist der neue Bezugsrahmen auch im Hinblick auf die Verknüpfung unserer Daten mit denjenigen globaler Messsysteme oder mit solchen unserer Nachbarländer. Gerade bei grenzüberschreitenden Projekten wie dem europäischen Strassen- und Schienennetz, länderübergreifenden Datenportalen wie dem Bodenseeportal oder Grossprojekten wie AlpTransit ist der neue Bezugsrahmen eine Voraussetzung für genaues, effizientes Arbeiten.

 

Was versteht man unter dem «Nullpunkt»?

Die beiden Koordinatenachsen treffen sich im Ausgangspunkt der Kartenprojektion, im Koordinatenursprung oder «Nullpunkt». In der Schweiz liegt der Nullpunkt bei der alten Sternwarte in Bern. Von dort aus werden die Koordinaten in Metern positiv nach Osten (y-Achse) und nach Norden (x-Achse)  gezählt.

 

Was «sieht» man konkret vom neuen Bezugsrahmen? Was ist künftig rein optisch anders als vorher?

Der offensichtliche Unterschied liegt in der neuen Bezeichnung der Koordinaten. Der Ausgangspunkt der Kartenprojektion («Nullpunkt») in Bern erhält neue Koordinaten:

·        Bisher:    CH1903       y   =     600'000 m (Ost);    x   =      200'000 m (Nord)

·        Neu:        CH1903+     E   = 2'600'000 m (Ost);    N =   1'200'000 m (Nord)

Die Koordinaten von CH1903 bzw. LV03 waren 6-stellig, die neuen LV95-Koordinaten (CH1903+) haben sieben Stellen (ohne die Meterbruchteile). Zudem werden die Koordinatenachsen neu klar bezeichnet: E für Ost/Est/East, N für Nord/North. Die Bezeichnungen y und x gaben oft zu Fragen Anlass, zumal die Achsen anders bezeichnet werden als in der Geometrie üblich.

 

Neues Landeskoordinatensystem CH1903+ der Landesvermessung LV95

Bild vergrössern Neues Landeskoordinatensystem CH1903+ der Landesvermessung LV95. © swisstopo

Für wen sind die Änderungen aufgrund des neuen Bezugsrahmens effektiv von Bedeutung?

Die Änderungen sind wichtig für Vermessungs- und Baufachleute sowie alle Personen, die an ihre Geodaten Genauigkeitsansprüche im Meterbereich oder besser stellen. Dagegen haben sie keinen Einfluss auf den Inhalt von Karten, abgesehen von der Bezeichnung der Koordinaten.

 

Ab wann ist der neue Bezugsrahmen LV95 im Kanton Bern gültig?

Der neue Bezugsrahmen wird für die Daten der amtlichen Vermessung am 1. Januar 2016 eingeführt. Gemäss Planung werden die weiteren Geodaten der Geodatenbank zur selben Zeit transformiert.

 

Muss ich nun meine Sammlung der Schweizer Landeskarten ersetzen?

Die neuen Landeskarten werden seit Herbst 2012 in LV95 mit den neuen Koordinatenbezeichnungen publiziert. An der Genauigkeit ändert sich nichts. Die einzige Änderung auf den Landeskarten sind die neuen Bezeichnungen der Koordinatenachsen (7- anstatt 6-stellig). Man kann auf seinen Karten auch von Hand eine 1 bzw. eine 2 vor die aktuellen Koordinaten setzen.

 

Wird mein GNSS-Gerät jetzt genauer?

Beim Gebrauch eines Standard-Geräts ändert sich nichts. Die Genauigkeit liegt dort bei ungefähr 5 Metern und ist eher von der Anzahl der empfangenen Satelliten abhängig. Wer über ein Gerät mit einem Korrekturdaten-Service (z.B. swipos) verfügt, profitiert vollumfänglich von der erhöhten Genauigkeit.

 

Was würde passieren bzw. welche Nachteile könnten sich ergeben, wenn der neue Bezugsrahmen LV95 nicht eingeführt würde?

Würde der neue Bezugsrahmen nicht eingeführt, dann müssten genauere Vermessungen mit modernen GNSS Messsystemen oder elektronischer Distanzmessung immer korrigiert werden, damit sie in den alten, verzerrten Bezugsrahmen LV03 passen. Vor allem Geodaten aus satellitengestützten Messungen und internationalen Messkampagnen sind mit den alten Schweizer Daten nicht kompatibel. Eine Notlösung wäre, die modernen Vermessungsgeräte mit einer Software auszurüsten, welche die Messdaten laufend in alte Schweizer Koordinaten umrechnet. Die Alternativen würden langfristig aber mehr Zeit und Geld kosten und wären zudem fehleranfällig.

 

Grundeigentum

 

Spüre ich als Grundeigentümer/in Auswirkungen des neuen Bezugsrahmens?

Die Neuvermessung sowie die Umrechnung alter Koordinaten in den genaueren Bezugsrahmen LV95 hat auch Einfluss auf die Koordinaten von Grenzpunkten. Allerdings ändern sich die Koordinaten der Grenzpunkte einer Parzelle praktisch alle gleich, womit die Grundstücksparzellen als solche «verschoben» werden –  natürlich nicht in Wirklichkeit, sondern nur in den Koordinaten bzw. auf dem Papier.

 

Sind die Neuerungen für Grundeigentümer mit Aufwand oder Kosten verbunden, beispielsweise für Änderungen im Grundbuch?

Nein. Allfällige Anpassungen der Einträge im Grundbuch werden von Amtes wegen veranlasst und bezahlt. Die Grundeigentümer müssen nichts unternehmen und für keine Kosten aufkommen.

 

Technisch

 

Was ist BEENyx15?

BEENyx15 ist der Berner Transformationsdatensatz, der mit der Transformation gleichzeitig eine Entzerrung erlaubt. Er wird Ende Sommer 2014 zur Verfügung stehen.

 

Inwiefern bin ich vom Bezugsrahmenwechsel betroffen?

Jeder, der mit Schweizerischen Geodaten zu tun hat, ist davon betroffen, aber nicht alle in gleichem Masse. Die Datenherren und Datenhalter müssen sich je nach Genauigkeitsanspruch ihrer Daten intensiver mit dem Bezugsrahmenwechsel beschäftigen.

Der Bezugsrahmenwechsel kann auf unterschiedliche Arten realisiert werden. Dabei bestimmen die Anforderungen an die Genauigkeit der Geodaten und daraus abgeleitet die Transformationsgenauigkeit das Verfahren.

Realisierungsvarianten für den Bezugsrahmenwechsel in Abhängigkeit von der Datengenauigkeit und mit Andeutung der Verzerrungen

Bild vergrössern Realisierungsvarianten für den Bezugsrahmenwechsel in Abhängigkeit von der Datengenauigkeit und mit Andeutung der Verzerrungen. © swisstopo

Kann ich meine Daten schon heute in LV95 beziehen?

Die Daten der Geodatenbank werden heute standardmässig in LV03 abgegeben. Auf Anfrage und gegen eine Gebühr können sie aber bereits in LV95 bezogen werden.

 

Kann ich meine Daten nach dem 1. Januar 2016 noch in LV03 beziehen?

Die Daten der Geodatenbank werden ab dem 1. Januar 2016 standardmässig in LV95 abgegeben. Auf Anfrage und gegen eine Gebühr können sie aber während einer Uebergangsfrist noch in LV03 bezogen werden.

 

Was ist FINELTRA?

FINELTRA steht für FINite ELemente TRAnsformation. Dabei handelt es sich um einen Algorithmus zur maschenweisen affinen Koordinatentransformation zwischen den offiziellen Landeskoordinaten (CH1903, LV03) und dem LV95-Koordinatensystem (CH1903+). FINELTRA wurde 1995 an der ETH Zürich entwickelt und wird seither von swisstopo gewartet.

 

Was bedeutet spannungsarm und spannungsbehaftet?

Die Begriffe «spannungsarm» und «spannungsbehaftet» entstanden aus der ausführlichen Analyse der Operate der amtlichen Vermessung. In spannungsarmen Gebieten entspricht die geometrische Genauigkeit den Qualitätsanforderungen der technischen Verordnung der amtlichen Vermessung (TVAV; Fixpunkte, Grenzpunkte), in spannungsbehafteten Gebieten liegt sie nicht mehr innerhalb der Toleranz TVAV.

 

Wird bei der Umstellung auf den neuen Bezugsrahmen vorausgesetzt, dass man TRANSINT/FINELTRA oder REFRAME besitzt? Oder hat jedes Büro die freie Wahl bezüglich Vollzug der Umstellung?

Jedes Büro hat die freie Wahl bezüglich der technischen Umsetzung. Die Methode hingegen ist vorgegeben, nämlich mit FINELTRA, dem kantonalen Datensatz BEENyx15, der vom AGI im FINELTRA-Format (.dat) abgegeben wird.

 


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